Chronik

Springen: 20202019201820172016

Diese Chronik ist noch grob unvollständig. Hinweise bitte an nkwatch@systemli.org.

1978 — Ein Mitglied der Falken Neukölln berichtet exemplarisch über Drohungen und rechte Gewalt an seiner Schule:

Das erste Mal machte ich in der Schule Bekanntschaft mit den Erscheinungen der “Hitler-Welle”. In der 9. und 10. Klasse der Walter-Gropius-Schule tauchten immer häufiger Hakenkreuzschmierereien, SS-Zeichen, Juden-”Witze”, Heil-Hitler-Rufe und ähnliches auf. Die Lehrer kümmerten sich herzlich wenig darum […] Erst als ich, der als Sozialdemokrat bekannt war und von den Neonazis als “Komi-Sau” bezeichnet wurde, dagegen eintrat und dafür schließlich von den Nazis verprügelt wurde, fingen Schüler und Lehrer an zu begreifen. […] Ich bekomme seitdem ständig anonyme Anrufe mit allen möglichen Drohungen […] außerdem Briefe wie z.B. den folgenden: “An alle Volksverräter, Lügner, Verleumder, Rechtsverdreher und Söldner unserer Feinde, die das deutsche Volk verunglimpfen […]

Ausstellung Immer wieder? Extreme Rechte und Gegenwehr in Berlin seit 1945

1980er — Zum Thema #Baseballschlägerjahre schreibt ein Antifaschist über die schwere Nazigewalt gegen ihn und seine Leute in Neukölln.

1991 — Carsten Szczepanski zündet einen Bus der Falken Neukölln an. Szczepanski wird später als NSU-Unterstützer und unter dem Decknamen „Piatto“ als enttarnter V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes bekannt. Anfang der 90er ist er Kader der „Nationalistischen Front“ (NF) in Berlin, macht Wehrsport, baut Rohrbomben und gründet eine deutsche Gruppe des „Ku Klux Klan“ (KKK). Weil er mit anderen Neonazis einen Mann aus rassistischen Gründen beinah totprügelt, wird er zu Knast verurteilt. Im Knast dient er sich dem Verfassungsschutz an, der ihm wiederum mit Material und Logistik für sein Rechtsrock-Zine „Der Weisse Wolf“ hilft, das er aus dem Knast heraus herstellt und vertreibt und in dem er 2002 den NSU grüßt. Sein V-Mann-Führer ist Gordian Meyer-Plath, heute Präsident des LfV Sachsen.

6.10.99 — Kurt Schneider wird in einem Park am Rathaus Lichtenberg von vier Neonazis verprügelt und erstochen. Einer der Täter kommt aus dem Neuköllner Milieu aus Neonazis und Fußball-Hools.

17.2.10 — Zwei Polizisten vom Abschnitt 56 (Rudow) nehmen am U-Bahnhof Parchimer Allee aus rassistischen Motiven einen 21-Jährigen fest und fahren hinter die Stadtgrenze nahe Schönefeld. Dort verprügeln sie ihn und setzen ihn dann im Schnee auf einem Acker aus. Dies ist einer von mehreren ähnlichen Fällen in Südneukölln.

5.4.12 — Antifaschistische Veranstaltung in Süd-Neukölln, bei der auch bekannte Neonazis aufkreuzen, die von der Polizei ohne Personalienkontrolle ziehengelassen werden.

5.4.12 — Burak Bektaş wird erschossen. Nahe des Klinikums Britz nähert sich ein Unbekannter Burak und seinen Freunden und schießt sofort mehrfach in die Gruppe Jugendlicher. Burak stirbt, seine Freunde werden lebensgefährlich verletzt. Die Hinterbliebenen und die Burak-Initiative vermuten den Täter im Neonazi-Milieu.

20.9.15 — Luke Holland wird nach einem Kneipenbesuch nahe des U-Bahnhofs Hermannstraße vom Nazi Rolf Zielezinski auf offener Straße erschossen. Zielezinski hat in seiner Wohnung ein eigens eingerichtetes Zimmer voller NS-Devotionalien, trotzdem will das Gericht im Strafprozess 2016 kein rechtes Motiv erkennen.

2016

13.3.16 — Landtagswahlen in Baden-Württemberg (AfD 15,1%), Rheinland-Pfalz (12,6%) und Sachsen-Anhalt (24,3%)

14.3.16 — Auftakt des Strafprozesses gegen Rolf Zielezinski, Mörder von Luke Holland. Fotos: Theo Schneider

19.3.16 — Bürgerbüro von MdA Flesch (SPD) im Reuterkiez wird mit „Volksverräter“ und Galgen besprüht. Fotos: Theo Schneider

25.3.16 — Tilo Paulenz, Christian Blank und Stephan Piehl treten in die AfD ein.

3.5.16 — Sebastian Thom wird aus dem Knast entlassen. (Morgenpost)

15.5.16 — Brandanschlag auf den Wagenplatz Kanal in Alt-Treptow/Baumschulenweg, der glimpflich ausgeht.

6.6.16 — 2x Steinwurf auf Fenster (Neukölln), 1x Brandanschlag KFZ (Neukölln)

26.6.16 — 2x Farbflaschenwurf (Neukölln)

27.6.16 — 1x Bedrohung mit Sprühfarbe an Wohnhaus (Neukölln), 1x Brandanschlag KFZ (Neukölln)

8.7.16 — Gegen 1:20 Uhr Brandanschlag auf Auto mit Falken- und Anti-AfD-Aufklebern im Schillerkiez

8.7.16 — Gegen 19:40 Uhr brennt ein Wohnwagen nahe der Asylunterkunft-Baustelle am Bahnweg in Altglienicke nahe Rudow nieder. Fotos: Theo Schneider

15.9.16 — Hochphase des Wahlkampfes, AfD-Veranstaltung im „Novi Sad“ in Rudow mit dem Spitzenkandidaten Georg Pazderski. Im Publikum neben Tilo Paulenz erstmals auch Sebastian Thom, damals NPD-Vorsitzender, sowie der Neonazi Harald Bankel.

18.9.16 — Wahlen zum Abgeordnetenhaus und den BVVen, AfD in Neukölln bei 13,8% (AGH) und 12,7% (BVV), acht AfD-Bezirksverordnete: Roland Babilon, Christian Blank, Danny Damerau, Jörg Kapitän, Andreas Lüdecke, Stephan Piehl, Steffen Schröter, Anne Zielisch. Tilo Paulenz stand ebenfalls auf der AfD-Wahlliste.

15.10.16 — Das Auto der Geschäftsführerin des Anton-Schmaus-Hauses (Falken/SJD) wird in Rudow angezündet.

2.12.16 — Veranstaltung „Was tun gegen die AfD? Aufstehen gegen Rassismus!“ im Buchladen Leporello in Rudow, im Rahmen der Reihe „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“. Der NPD-Kader Jens Irgang versucht die Veranstaltung zu betreten, wird aber am Eingang erkannt und abgewiesen.

12.12.16 — 2x Steinwürfe auf Fenster (Neukölln), 1x Brandanschlag Haus (Neukölln), 2x Farbflaschenwurf auf Wohnung (Neukölln), 1x Sachbeschädigung Kirche (Neukölln)

16.12.16 — 1500 Menschen demonstrieren gegen rechte Gewalt in Neukölln und die Angriffe der letzten Tage.

23.12.16 — 1x Farbflaschenwurf auf Wohnung (Neukölln)

27.12.16 — 8x Bedrohung mit Sprühfarbe an Wohnhaus (6x Neukölln, 1x Kreuzberg, 1x Schöneberg)

2017

x.1.17 — Erste bekannte TKÜ-Maßnahme gegen Sebastian Thom (durch LfV Berlin), er redet mit Paulenz über ein LINKE-Mitglied (Quelle: Pressekonferenz am 11.11.19). Ob die Überwachung vor oder nach dem 19.1.17 begann, ist bisher unbekannt.

Frühjahr 2017 — Sebastian Thom oder Tilo Paulenz wird am Wohnort des LINKE-Mitglieds gesehen, vom LKA oder vom LfV — Quelle: PK am 11.11.19

10.1.17 — 1x Sachbeschädigung KFZ (Reifen zerstochen) (Neukölln)

11.1.17 23:30 — AfD-Bezirksvorstand Hendrik Pauli klebt Sticker der „Identitären Bewegung“ (IB) an die Fenster der Kneipe Tristesza in der Pannierstraße und bedroht Leute mit gezogenem Messer.

14.1.17 — 1x Brandanschlag KFZ (Neukölln, Falken/SPD)

19.1.17 — Sebastian Thom wird abends von Antifas zuhause aufgesucht, sein Wohnort mit Plakaten und Farbe markiert, die Nachbarschaft mit Feuerwerk und Megaphon aufmerksam gemacht. Möglicherweise war diese Aktion der Auslöser fur die TKÜ-Maßnahme gegen Thom durch das LfV Berlin.

23.1.17 — 2x Brandanschlag KFZ (Neukölln, u.a. Falken)

x.2.17 — Hausdurchsuchung bei Julian Beyer in Johannisthal wegen des Betriebs der Facebookseite „Freie Kräfte Berlin Neukölln“, die u.a. Fotos von Personen sowie Grafiken von Flüchtlingsunterkünften und sich antifaschistisch engagierenden Einrichtungen, Parteien und Projekten veröffentlichte.

7.2.17 — 7x Bedrohung mit Sprühfarbe an Wohnhaus (Wedding)

8.2.17 — 6x Bedrohung mit Sprühfarbe an Wohnhaus (Neukölln)

9.2.17 — 1x Brandanschlag KFZ (Neukölln)

x.3.17 — Generalbundesanwalt eröffnet Beobachtungsvorgang zu den Anschlägen und Angriffen in Neukölln.

4. & 5.3.17 — Auf dem AfD-Landesparteitag in Schönwalde-Glien gehört Tilo Paulenz zur Zählkommission.

25.3.17 — Zum Abschluss der Aktionswoche zieht eine Antifademo mit mehreren hundert Leuten durch Rudow, u.a. an den Wohnorten von Sebastian Thom und Tilo Paulenz sowie am AfD-Treffpunkt „Novi Sad“ vorbei.

3.5.17 — 2x Brandanschlag KFZ (Neukölln, Kreuzberg, u.a. Falken)

11.7.17 — 2x Brandanschlag KFZ (Neukölln)

19.8.17 — 1x Sachbeschädigung Parteibüro (Neukölln)
Herbst 2017 — TKÜ-Maßnahme des LfV: Sebastian Thom und Tilo Paulenz reden wieder über Ferat Koçak (LINKE)

24.9.17 — Party der AfD zur Bundestagswahl im „Traffic“ am Alexanderplatz, neben AfD-Bundesprominenz dabei: Tilo Paulenz.

6.11.17 — 16 Stolpersteine gestohlen, 4 beschädigt (Neukölln)

24.11.17 — AfD-Veranstaltung im „Novi Sad“ in Rudow mit Guido Reil und Andreas Kalbitz, organisiert von Tilo Paulenz, im Publikum sitzen u.a. die Neonazis Enrico Stubbe und Kay Hönicke.

5.12.17 — Mehrere Neuköllner AfD-Leute nehmen an der Weihnachtsfeier des Landesverbands im Ratskeller Charlottenburg teil, darunter Tilo Paulenz.

2018

15.1.18 — TKÜ-Maßnahme des LfV: Sebastian Thom und Tilo Paulenz reden nun über Anschlagspläne und roten Smart. Der rote Smart gehört Ferat Koçak (LINKE), dessen Beobachtung Thom und Paulenz live am Telefon besprochen haben, diesen offensichtlichen Zusammenhang sieht aber weder das LfV, noch wird das LKA ihn sehen.

17.1.18 — LfV informiert LKA über Thom und Paulenz sowie ihre Anschlagspläne und den roten Smart.

30.1.18 — LKA 5 informiert LfV: Linke-Politiker Koçak mögliche Zielperson, daraufhin schriftliches Behördenzeugnis des LfV ans LKA.

1.2.18 — Brandanschlaege auf die Autos von Ferat Koçak (LINKE) und Heinz Ostermann (Buchladen Leporello).

2.2.18 — Hausdurchsuchungen bei Sebastian Thom und Tilo Paulenz, Wohnungen, Keller und Garage werden durchsucht, insgesamt vier Objekte. Bei Thom wird u.a. eine handschriftliche Anti-Antifa-Liste gefunden, Überschneidungen mit bereits angegriffenen Personen oder anderen Anti-Antifa-Listen sind aber unklar. Es wird kein Haftbefehl beantragt, weil Thom zur Tatzeit am 1.2. angeblich unter Beobachtung gestanden habe.

23.3.18 — AfD-Veranstaltung im Gemeinschafthaus Gropiusstadt zum Thema Bildungspolitik mit dem Abgeordneten Franz Kerker.

x.4.18 — Treffen zwischen dem LKA-Beamten Pit W. sowie Sebastian Thom und zwei weiteren Neonazis. Das LfV-Team, das Sebastian Team observiert, folgt ihm zur als Nazitreffpunkt bekannten Hertha-Kneipe „Ostburger Eck“ in Rudow, wo er zwei andere Neonazis trifft. Später kommt der LKA-Beamte Pit W. (tätig in einer Observationseinheit) hinzu, der den LfV-Beamten bereits bekannt ist. Die vier unterhalten sich länger an einem Tisch, dann steigt Thom zu W. ins Auto und die beiden fahren davon.

5.4.18 — Die Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“ wird am Klinikum Britz als Gedenkort für Burak Bektaş eingeweiht. Der AfD-Bezirksverordnete Stephan Piehl fotografiert in Anti-Antifa-Manier die Anwesenden ab.

8.4.18 — Demo in Britz in Gedenken an Burak Bektaş mit mehreren hundert Leuten.

5.5.18 — 1x Bedrohung mit Sprühfarbe an Wohnhaus (Neukölln)

18.8.18 — Christian Blank besucht in Reinickendorf die Geburtstagsfeier der neonazistischen Hooligan-Gruppe „Wannsee Front“, zu deren engem Umfeld er gehört. Mittags ziehen ca. 800 Neonazis in Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß durch Friedrichshain und Lichtenberg.

28.8.18 0:40 — Brandanschlag auf ein hochpreisiges Auto das vor dem Haus von Heinz Ostermann (Buchladen Leporello) stand. Sebastian Thom wird in der Nähe von einer Streife festgenommen und dem LKA übergeben, das ihn nach einer Vernehmung freilässt. Inoffiziell heißt es abermals, Thom habe ein Alibi, sei also zur Tatzeit observiert worden.

1.9.18 — Demonstrativer Schulterschluss von AfD und Neonazibewegung auf den Straßen von Chemnitz. Neber einem ganzen AfD-Bus aus Berlin ist auch Tilo Paulenz dabei, außerdem die späteren Mörder von Walter Lübcke, Stephan Ernst und Markus Hartmann aus Kassel.

14.9.18 — Generalbundesanwalt verkündet, dass Verfahren nach § 129a nicht in Frage komme. —

29.9.18 — AfD-Kundgebung gegen Geflüchtetenunterkunft in Gropiusstadt mit Logistik von MdA Andreas Wild.

31.10.18 — Die NPD Neukölln unter Jens Irgang verkündet auf Facebook ihre Auflösung und ruft „alle Deutschen zur nationalen Geschlossenheit auf“, unterschrieben mit „Freie Kameraden Neukölln“. Irgang besucht bald eine AfD-Veranstaltung in Neukölln (24.11.).

24.11.18 — AfD-Veranstaltung im „Novi Sad“ in Rudow mit MdL Birgit Bessin, MdL Steffen Kotré und Leyla Bilge von der AfD Brandenburg, organisiert von Tilo Paulenz. Im Publikum der Vorsitzende des gerade aufgelösten NPD-Kreisverbands Jens Irgang, sein Vorgänger und Paulenz-Komplize Sebastian Thom sowie Harald Bankel und mutmaßlich weitere Neonazis.

7.12.18Betroffene der rechten Gewalt fordern, dass Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernimmt.

2019

18.1.19 Generalbundesanwalt erklärt rechte Gewalt in Neukölln zum „Gegenstand eines Beobachtungsvorgangs“

30.1.19 23:30 — Auto von Tilo Paulenz im Käthe-Dorsch-Ring in Gropiusstadt wird angezündet, AfD beginnt sich von Paulenz zu distanzieren.

2.2.19 — Tilo Paulenz tritt von seinem Posten im AfD-Bezirksvorstand zurück und legt seine Mitgliedsrechte für sechs Monate nieder.

8.2.19 — AfD-Landesvorstand verkündet Parteiausschlussverfahren gegen Tilo Paulenz, das aus unbekannten Gründen nie stattfinden wird. Später wird der vermeintliche Parteiaustritt von Paulenz verkündet, allerdings ohne Belege oder weitere Details.

6.3.19 — In der Roseggerstraße, Weserstraße und Laubestraße werden Autos besprüht und die Reifen zerstochen. Die Polizei sucht mit Steckbriefen nach einer „männlichen Person, die ein schwarzes Basecap und eine schwarze Kapuzenjacke trug. Auf der Rückseite der Jacke war ein schwarzer Totenkopf, Motiv ‚The Punisher‘, zu erkennen.“ Angaben zu den Inhalten der Sprühereien macht die Polizei nicht, es ist also unklar ob es sich um eine Aktion von Neonazis handelt.

16.3.19 — 4x Bedrohung mit Sprühfarbe an Wohnhaus (Neukölln)

29.3.19 — Innensenator Geisel kündigt das GIBZ („Gemeinsames Informations- und Bewertungszentrum Rechtsextremismus“) an, ein regelmäßiges Treffen von LKA, Verfassungsschutz und Innenverwaltung.

17.4.19 — Der Vorsitzende des ehemaligen NPD-Kreisverbandes Neukölln, Jens Irgang, verkündet auf Facebook, zur Europawahl per Briefwahl AfD gewählt zu haben. Er ruft andere Neonazis auf, es auch zu tun.

9.5.19 — Beim LKA wird die EG Resin („Ermittlungsgruppe Rechtsextremismus in Neukölln“) aufgelöst und die BAO Fokus („Besondere Aufbaugruppe“) mit 30 Planstellen gegründet, von denen nur 15 besetzt werden. Hauptsächlich Beamte von Polizeipräsidium Stab IV (Kommunikation) und LKA 5 (Staatsschutz), aber auch LKA 1 (Delikte am Menschen).

25.5.19 — Ex-AfD-Bezirksvorstand Hendrik Pauli droht an einem AfD-Infostand am U-Bahnhof Hermannstraße Leuten, dass bei ihnen bald ein „Hausbesuch“ anstehe.

Herbst 2019 — Die Konditorei Damaskus in der Sonnenallee wird mit Hakenkreuzen markiert.

3.10.19 — Neuköllner Neonazis und AfD-Mitglieder nehmen am Aufmarsch von „Wir für Deutschland“ in Mitte teil.

November 2019 — Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Sebastian Thom und Tilo Paulenz, es geht um Sachbeschädigungen und Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen. Die beiden hatten im August 2017 NPD- und AfD-Sticker verklebt und mehrere großflächige Sprühereien mit Bezug zu Rudolf Heß hinterlassen. Dabei wurden sie vom LKA observiert.

3.11.19 21:00Angriff mit Flaschen auf das Heart’s Fear in der Wildenbruchstraße.

4.11.19 — Betroffene der rechten Angriffe übergeben Petition mit 25.000 Unterschriften an die Senatsfraktionen, in der mit Nachdruck ein Untersuchungsausschuss gefordert wird.

20.11.19 — Brandanschlag auf KFZ im Käthe-Dorsch-Ring in Gropiusstadt, Hintergrund unklar, in der Straße wohnen Sebastian Thom und Tilo Paulenz.

8.12.19 — In der Nacht auf Dienstag werden an über einem Dutzend Autos in der Treptower Straße die Reifen zerstochen. Ein rechter Hintergrund ist unklar.

10.12.19 — Gesprühte Hakenkreuze und SS-Runen an Läden und in einem Hauseingang in der Wildenbruchstraße, außerdem zerstochene Reifen an vier Autos.

18.12.19 — Betroffene der rechten Angriffe veröffentlichen einen Zwischenbericht zu ihrer Kampagne „Rechter Terror in Berlin – Untersuchungsausschuss jetzt!“

21.12.19 — Etwa 1000 Antifaschist*innen demonstrieren in Solidarität mit den angegriffenen Läden vom Herbst, 3.11. und 10.12. vom Hermannplatz zum Rathaus Neukölln, auch die Polizeirazzien gegen Shisha-Bars werden kritisiert, Bezirksbürgermeister Hikel (SPD) wird ausgebuht. Zwei Neonazis (u.a. Amin Khazaeli) treiben sich am Startpunkt der Demo herum, außerdem wird ein ehemaliger NPD-Aktivist (zuletzt beim Jugendwiderstand) in Klamotten des rechten Labels „Pro Violence“ von der Demo ausgeschlossen.

2020

13.1.20 — Presseberichte, dass ein beschlagnahmter Datenträger von Sebastian Thom von einem externen Dienstleister entschlüsselt werden konnte, u.a. Anti-Antifa-Daten über ca. 30 Personen aus den frühen 2010er Jahren, mehrere davon waren bereits auf der Website des „NW Berlin“.

18.1.20 19:00 — Veranstaltung der AfD-BVV-Fraktion im Casino Zwickauer Damm in Rudow, mit Jeanette Auricht, Gottfried Curio und Nicolaus Fest.

22.1.20 — Die AfD in der BVV Neukölln stellt zum wiederholten Mal Christian Blank für den BVV-Vorstand zur Wahl. Blank gehört zur neonazistischen Hooligan-Gruppe „Wannsee Front“.

19.2.20 — In Hanau erschießt ein weißer Faschist 11 Menschen in Shishabars: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, und Kaloyan Velkov sowie seine eigene Mutter.

20.2.20 — In Neukölln ziehen mehrere Tausend Menschen in Gedenken an die Ermordeten von Hanau vom Hermannplatz die Sonnennallee hinunter zu den Tatorten der letzten Neonaziangriffe rund um den Abschnitt 54. Währenddessen kündigt die Grünen-Funktionärin Antje Kapek per Twitter-Selfie am Brandenburger Tor an, dass es jetzt um „radikale Aufklärung“ gehe. Einen Untersuchungsausschuss zu den rechten Verstrickungen der Berliner Behörden lehnen die Grünen aber weiterhin ab.

23.2.20 — Im Keller eines Wohnhauses in der Hermannstraße bricht ein Feuer aus. 32 Menschen werden aus dem Haus gerettet, mehrere werden verletzt. Die Ursache des Feuers ist unklar, in Nordneukölln kommt es allerdings häufiger zu Brandstiftungen in Hausfluren und Kellern.

26.2.20 — Der Neonazi und AfD-Bezirksverordnete Christian Blank gibt in der BVV unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine persönliche Erklärung ab. Nach den Berichten über seine engen Kontakte in die Neuköllner Neonaziszene zieht er seine Kandidatur für den BVV-Vorstand zurück. Die CDU-Fraktion schweigt zu den Kontakten ihres Fraktionsvorsitzenden Gerrit Kringel zum Neuköllner Neonazi Thomas Schirmer und dessen Fußballverein BSG Elektro Krause. Die CDU hatte auch stets geschlossen mit der AfD für Christian Blank gestimmt.

5.3.20 — In der Laubestraße Ecke Wildenbruchstraße werden zwei Autos angezündet. Der Polizeiabschnitt 54 liegt 50 Meter entfernt.

10.3.20 — Auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion gibt der Innensenat zu, dass eine am 2.2.2018 beschlagnahmte Festplatte von Sebastian Thom gar nicht verschlüsselt war, sondern die brisanten Daten einfach nur im virtuellen Papierkorb lagen. Die Polizei hatte den Eindruck erweckt, man habe mit der Entschlüsselung einer Festplatte einen großen Schlag gegen die Neuköllner Neonazis gelandet.

18.3.20 — In der Laubestraße Ecke Wildenbruchstraße werden nochmal drei Autos angezündet. Durch die Hitze schmelzen auch die Rolläden eines Wohnhauses. Bei weiteren Brandstiftungen am 10.5.20 werden genau unter diesem Fenster SS-Runen und ein Hakenkreuz gesprüht.

21.3.20 — Eine geplante antifaschistische Demonstration in Rudow wird durch die Corona-Verfügung des Bezirksamts Neukölln verboten.

24.4.20 — Im Tempelhofer Weg werden zwei Autos mit Hakenkreuzen und rassistischen Drohungen besprüht.

30.4.20 — Neonazis vom „Dritten Weg“ verteilen in Britz und Buckow Flyer.

10.5.20 — In der Laubestraße wird ein Haus mit SS-Runen besprüht, vor dem Haus werden vier Autos angezündet. Ein weiteres Haus in der Laubestraße, vor dem am 5.3. und 18.3.20 Autos angezündet wurden, wird ebenfalls mit SS-Runen sowie einem Hakenkreuz besprüht.

29.5.20 — Bezirksstammtisch der AfD im Novi Sad in Rudow.

5.6.20NDR und Kontraste berichten, dass der Neuköllner Polizist und AfD-Funktionär Detlef Moritz am Abend des Breitscheidplatz-Attentats am 19.12.2016 interne Polizeiinformationen in einer AfD-Chatgruppe geteilt hat. Mitglieder dieser Gruppe waren neben anderen Neuköllner AfD-Funktionären auch die Neonazis Tilo Paulenz und Christian Blank. Die Nachrichten des Polizisten wurden auf einem Handy von Paulenz gefunden, das bei der Durchsuchung am 2.2.2018 gefunden wurde.

5.6.20 — In der Wildenbruchstraße werden nachts mehrere Läden und der Flur eines Wohnhauses mit Nazisymbolen besprüht. Es handelt sich wieder um Läden, die bereits öfter angegriffen wurden.

5.6.20 — SEK-Einsatz am S-Bahnhof Neukölln, wobei einer der schwer bewaffneten Beamten ein T-Shirt der rechten Marke „Grunt Style“ trägt, die zur US-Amerikanischen Szene aus Alt Right und White Supremacists zählt. Das SEK wird auch bei den Razzien in Shishabars eingesetzt.

10.6.20NDR und Kontraste berichten, dass ein weiterer Berliner Polizist, Polizeimeister Marcel H., interne Polizeiinformationen in Chats geteilt hat, darunter eine Nachricht, die identisch mit einer Breitscheidplatz-Nachricht des AfD-Polizisten Detlef Moritz ist. Kontakte zwischen Moritz und H. sind bisher nicht bekannt.

10.6.20 — Der AfD-Polizist Detlef Moritz wird in den Innendienst versetzt, ihm werden Dienstwaffe und Computerzugang abgenommen. (Morgenpost)

17.6.20 — Die Anklage gegen Sebastian Thom und Tilo Paulenz wegen Propagandadelikten im Sommer 2017 wird größtenteils zugelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte im November 2019 Anklage wegen Stickern und SS-Runen-Sprühereien erhoben, die das Amtsgericht im Januar 2020 teilweise abgelehnt hatte, woraufhin die Staatsanwaltschaft Beschwerde einlegte. Die vielen Brandstiftungen und Morddrohungen werden weiter nicht angeklagt. (Tagesspiegel)

19.6.20 — Eine Konditorei in der Sonnenallee wird nachts mit Nazisymbolen besprüht und ein davor parkender Transporter wird angezündet. Der Laden wurde in den vergangenen Monaten bereits sieben mal angegriffen. Wie in früheren Fällen erwähnt die Polizei die Nazisymbole nicht, sondern meldet den Fall in einer Sammelmeldung zu Autobränden. Erst zwei Tage später gibt sie die Nazisymbole zu. Aus der Nachbarschaft wird berichtet, dass die Polizei den ausgebrannten Transporter erst am 22.6. auf mögliche Spuren untersuchte.

21.6.20 — In der Jahnstraße wird mittags ein Auto zerkratzt und rassistisch besprüht.

25.6.20 — In der Donaustraße brennt ein Auto aus. Erste von vier Nächten mit abgebrannten Autos in der Donau- und Schönstedtstraße. Unklarer Hintergrund.

26.6.20 — In der Donaustraße und Schönstedtstraße brennen vier Autos aus. Unklarer Hintergrund.

26.6.20 — Mehrere tausend Leute auf der antifaschistischen Demo in Neukölln, die am Polizeiabschnitt 54, der Konditorei Damaskus und dem k-fetisch vorbeizieht.

27.6.20 — In der Schönstedtstraße brennt ein Auto aus, unklarer Hintergrund.

27.6.20 — Mehrere Stolpersteine in der Dieffenbachstraße werden beschädigt.

28.6.20 — In der Nansenstraße brennt ein Auto aus, in der Donaustraße drei. Unklarer Hintergrund.

1.7.20 — Mehrere verschiedenste Linke bekommen Post vom LKA, das ihre Daten auf Datenträgern von Sebastian Thom und/oder Tilo Paulenz gefunden hat. Um welche konkreten Daten es sich handelt, wird verschwiegen. Ein Journalist aus Hamburg, der von der dortigen Polizei informiert wird, erhält dennoch detaillierte Auskunft – das Problem ist also mal wieder das LKA Berlin.

2.7.20 — Abends werden rund um Sonnenallee und Karl-Marx-Straße vier lokale Neonazis und AfD-Funktionäre, die alle in 300 Metern Umkreis der letzten Naziangriffe wohnen, mit Plakaten geoutet. Robert Eschricht ist AfD-Vorsitzender für Neukölln, Julian Potthast ebenfalls AfD-Vorstand, Hendrik Pauli ist AfD-Kader und bedrohte Menschen mit Messer (siehe 11.1.17 und 25.5.19), Marcel Feltin ist NPD-Aktivist.

4.7.20 — Am frühen morgen brennt das libanesische Lokal Al Andalos in der Sonnenallee, sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer. Die BZ titelt „flambierter Döner“, ein Polizeisprecher nutzt wie selbstverständlich den Begriff „Fremdenfeindlichkeit“.

4.7.20 — Am Auto einer Antifaschistin in Britz werden die Reifen zerstochen, im Umfeld werden Nazisticker verklebt. Die Betroffene wurde schon oft Ziel von Morddrohungen und Brandanschlägen.

6.7.20 — Die Polizei verkündet, dass die rechte Bekleidung eines SEK-Beamten keine Konsequenzen haben wird. Es werde eine „nochmalige Sensibilisierung“ beim SEK geben. Der Beamte hat also weiter Zugang zu Munition, Schusswaffen, Training, Datenbanken.

7.7.20 — Die Polizei spricht beim ausgebrannten Al Andalos von fahrlässigem Umgang mit Propangasflaschen, schweigt aber zu Details.

7.7.20 — Die LINKE-Fraktionsvorsitzende Anne Helm aus Neukölln und viele andere Politiker:innen bekommen Morddrohungen mit der Unterschrift „NSU 2.0“. Frühere Drohungen unter diesem Namen gegen eine Anwältin kamen nachweislich von einer Gruppe von mind. 70 Polizist:innen in Hessen. In Berlin gab es 2017 ebenfalls Drohbriefe aus dem Polizeicomputer.

13.7.20 — Neun Autos auf einem Mieterparkplatz in der Jahnstr. werden angezündet, das Feuer breitet sich auf das Wohnhaus aus, sechs Verletzte durch Rauchgas, darunter zwei Kinder. In der Karl-Marx-Straße brennt ebenfalls ein Auto.